Steinzeug

Bienenkorbhumpen mit Medaillonauflagen

FO: Große Bäckerstraße 26
Steinzeug Waldenburger Art
Höhe 25 cm
um 1600

Aus der Kloake 4 des Grundstücks „Große Bäckerstraße 26” stammt ein großer Bienenkorbhumpen aus Steinzeug Waldenburger Art. Dieses in der Region um das sächsische Waldenburg gefertigte Steinzeug zeichnet sich durch einen sehr feinplastischen Scherben aus, der mit einer Salzglasur überzogen ist. Bereits im ausgehenden Mittelalter fertigte man in Waldenburg und Umgebung Steinzeug. Dieses für die Region frühe Steinzeug ist als Imitation des Steinzeugs Siegburger Art aus dem Rheinland anzusprechen.

Bienenkorbhumpen, Steinzeug Waldenburger Art

Bienenkorbhumpen, Steinzeug Waldenburger Art (Zeichnung D.T. Le)

Das hier vorliegende Objekt besteht jedoch aus einem Material, das eine eigenständige Entwicklung erfahren hat. Drei großflächige Wappenauflagen zieren das Gefäß: ein brandenburger, ein bischöflich-bayerisches und das kursächsische Wappen. In den Zwischenräumen sitzen kleine Auflagen, die einen geharnischten Mann zeigen. Diese Auflagen tragen die Datierung 1597, eine Entstehung in diesem Jahr oder kurz darauf ist wahrscheinlich.

Die Auflagen weisen das Lüneburger Gefäß in eine kleine Gruppe von ähnlichen Humpen, die hauptsächlich in Sachsen, aber in einem Fall auch in Uelzen gefunden wurden.

Die Bezeichnung Bienenkorbhumpen beruht auf der großen Ähnlichkeit mit Bienenkörben. Diese Krüge sind seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bis in das späte 17. Jahrhundert hinein beliebt. Dabei werden die Proportionen im Laufe der Zeit immer gedrungener. Die schlanke hohe Form setzt unser Gefäß dementsprechend in die Frühzeit der Produktion, dieses wird durch die Datierung auf den Auflagen bestätigt.

Autor: Marc Kühlborn; in: Denkmalpflege in Lüneburg 2002, 16-17.
 

Literatur:
Kühlborn, Marc: Ein Glas- und Keramikensemble der frühen Neuzeit aus Lüneburg, Archäologie und Bauforschung in Lüneburg 1, 1995, 7-127.

Mahler, Fred: Mitteldeutsches Steinzeug aus der Uelzener Altstadt, Uelzener Beiträge 12, 1992, 159-165.

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