Rote Irdenware

Stielgrapen - DER Kochtopf der frühen Neuzeit

FO: Auf der Altstadt 29
Rote Irdenware, innen glasiert
Rdm.: 8 cm
16. /17. Jahrhundert

Stielgrapen aus roter Irdenware

Im 16. und 17. Jahrhundert wurden in der Töpferei auch Gefäße für den täglichen Gebrauch hergestellt. Es handelt sich um rote Irdenware, die auf der Töpferscheibe gedreht und nach dem Trocknen mit einer Bleiglasur versehen wurde. Glasuren sind dünne, transparente Überzüge, die dem gebranntem Ton Eigenschaften verleihen, die er sonst nicht besitzt: glatte, wasserundurchlässige, mechanisch feste und leicht sauber zu haltende Oberflächen.

In großer Zahl wurden besonders die typischen Kochtöpfe der frühen Neuzeit in den unterschiedlichsten Größen hergestellt. Es handelt sich dabei um Kugeltöpfe auf drei Beinen und mit einem Rohrgriff: die Stielgrapen. Sie dienten der Zubereitung von Obst-, Gemüse- und Getreidesuppen oder Breien und Musgerichten.

Rußablagerungen auf den Töpfen zeigen, dass sie zum Kochen über dem offenen Feuer verwendet wurden. Auch auf den tönernen Deckeln finden sich am überstehenden Rand Spuren vom Ruß des Herdfeuers. Suppen und Breie waren wichtige Bestandteile aller Mahlzeiten. Als Morgensuppen wurden sie bereits zum Frühstück serviert. Insgesamt stellten sie ein sehr nahrhaftes, dabei aber preiswertes und Brennstoff sparendes Essen dar, das mit einfacher Küchenausstattung herzustellen war. Die heute übliche Scheibe Brot diente damals nur als Beiwerk oder Tellerersatz.

Die Enden der Rohrgriffe variieren. Ihre Ausgestaltung ist von der Region, vom Zeitgeschmack, vom Können des Töpfers und möglicherweise vom Verwendungszweck abhängig. Über 40 verschiedene Grifftypen sind bislang nur aus dieser Töpferei bekannt. Sie wurden separat auf der Töpferscheibe hergestellt und wie die Füße an den halb trockenen, lederharten Kugeltopf angarniert.

Autorin: Karola Kröll; in: Denkmalpflege in Lüneburg 2002, 48-49.

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