Rote Irdenware

Fettfänger

FO: Auf der Altstadt 29
Rote Irdenware, innen glasiert
L.: 54 cm
16. /17. Jahrhundert

Fettfänger aus roter Irdenware

Neben den häufig produzierten Gefäßformen wie Stielgrapen, Töpfen und Schalen fanden sich auch außerwöhnliche Gefäße und Einzelstücke. Neue Formen wurden ausprobiert. Möglicherweise brachten wandernde Gesellen neue Ideen für Formen und Verzierungen mit nach Lüneburg oder es handelte sich um Auftragsstücke.

Solch ein ungewöhnliches Stück ist der vorliegende Fettfänger. Er diente dazu, herabtropfendes Fett von Fleischstücken, die über dem offenen Feuer gebraten wurden, aufzufangen. Es konnte so nicht ins Feuer tropfen und gleichzeitig war Fett zum regelmäßigen Begießen des Fleisches zur Hand.
 

Ansicht eines Fettfängers im Gebrauch

Fettfänger bei Nicolas de Bruyn nach Marten de Vos (1571-1656).
Ausschnitt aus den Vier Elementen: Ingris (Feuer).

Der Töpfer produzierte auf der Töpferscheibe zunächst eine große Flasche mit einem engen Hals. Noch vor dem endgültigen Trocknen wurde die Flasche halbiert und die Wandung abgeflacht. Auf der so entstandenen Rückseite bewirken zwei angebrachte Füße, dass der Fettfänger nun leicht schräg steht. Der Rand erhielt eine Verzierung durch eine aufgesetzte Fingertupfenleiste. Außerdem wurden offenbar zwei Röhrenhenkel angarniert, von denen leider nur einer erhalten ist. Der Ausguss der Flasche blieb auch der Ausguss des Fettfängers.

Dieser Spezialtopf ist aber nie in den Handel gekommen, da sich wahrscheinlich durch einen Fehler beim Brennen die Form leicht verzogen hatte und die Innenglasur verbrannt war. Nur spekulieren lässt sich, ob aus der zweiten Flaschenhälfte ebenfalls ein Fettfänger produziert wurde.

Autorin: Karola Kröll; in: Denkmalpflege in Lüneburg 2002, 46-47.

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