Porzellan

Chinesisches Porzellan mit blauer Bemalung

Die Porzellanherstellung in China begann bereits in der Tang-Dynastie (618–906). Vermutlich gegen Ende des 14. Jahrhunderts gelangte das Porzellan auch nach Europa, wo es zunächst nur den Königshäusern vorbehalten war. Anfang des 17. Jahrhunderts begannen jedoch holländische Kaufleute, mit chinesischem Porzellan in Europa Handel zu treiben. Schnell entwickelte sich daraufhin eine Massenproduktion in China. Als Johann Friedrich Böttcher 1710 schließlich europäisches Porzellan erfand, nahm die einst starke Nachfrage nach chinesischem Porzellan mit der Zeit mehr und mehr ab.

1. Kapuzinerfarbene Porzellane

In Lüneburg wurde quing-zeitliches Porzellan gefunden, vor allem aus der Kangxi-Ära (1661–1722). Vermutlich stammen die Porzellane aus dem Süden Chinas. Zumeist handelt es sich dabei um kapuzinerfarbene Koppchen und flache Schalen. Diese waren an der Außenseite monochrom lehm-olivbraun gefärbt, nur der Standring war weiß und trug manchmal eine Marke. Auf der Innenseite befanden sich blaue Malereien.

Kapuzinerfarbenes Porzellan, Außenseite

Chinesisches Porzellan mit kapuzinerfarbener monochromer Außenseite und Marke innerhalb des Standrings (Reg.Nr. 1167, Fdst.Nr. 21:3; Innenseite s.u.)

Die kapuzinerfarbenen Porzellane, die vermutlich weniger kosteten als beidseitig bemalte Stücke, wurden über einen langen Zeitraum hinweg produziert und in Meißen genau imitiert. Folglich liegt die Annahme nahe, dass sie sich großer Beliebtheit erfreuten.

Auf der Innenseite der Schälchen oder Koppchen gab es eine Zwei- oder, was häufiger der Fall war, eine Drei-Zonen-Verzierung. Oft befand sich direkt unter dem Rand ein ornamental oder anders verziertes Band, eingefasst durch mehrere Linien. Die Wandung war entweder unbemalt oder mit Motiven aus Flora und Fauna verziert. Im Spiegel fand sich häufig auch eine Blume oder Landschaftsszenerie, von parallelen Linien umrahmt.

Kapuzinerfarbenes Porzellan, Innenseite

Kapuzinerfarbenes Porzellan mit Drei-Zonen-Verzierung auf der Innenseite
(Reg.Nr. 1167, Fdst.Nr. 21:3; Außenseite s.o.)

Bisweilen fehlten die Begrenzungslinien, die die Zonen voneinander trennten, oder die Wandung wies zusätzlich eine Fenstergliederung auf. Bei einigen kapuzinerfarbenen Porzellanen wurde die Innenseite auch flächig bemalt, sodass einzig das verzierte Band unter dem Rand als Begrenzung diente. Bei dieser Art fand man neben floralen Motiven auch figürliche Darstellungen oder Landschaftsszenerien.

2. Andere blau bemalte Porzellane

Auch bei den gefundenen beidseitig bemalten Porzellanen aus der Kangxi-Ära, ebenfalls überwiegend Schalen und Koppchen, entdeckte man verschiedene Arten der Verzierung. An der Innenseite befanden sich Ein- oder Zwei-Zonen-Verzierungen mit Landschaftsszenerien oder floralen Mustern, oft durch randparallele Linien eingefasst. Manchmal fand sich auch hier ein ornamental verziertes Band unter dem Rand. Die Fläche des Spiegels war selten bemalt, gelegentlich aber mit einer in Linien eingefassten Blume verziert. Auch bei diesen Stücken gab es Besonderheiten wie eine zusätzliche Fenstergliederung in Tulpenform, figürliche Darstellungen oder einen gezähnten Rand.

Drei-Zonen-Verzierung innen

Chinesisches Porzellan mit Drei-Zonen-Verzierung innen, Ein-Zonen-Verzierung außen und einer Marke innerhalb des Standrings (Reg.Nr. 474, Fdst.Nr. 18:2)

Ein-Zonen-Verzierung außen Zwei-Zonen-Verzierung

Chinesisches Porzellan mit Landschaftsdarstellung,
außen ohne Bemalung und ohne Marke (Reg.Nr. 446, Fdst.Nr. 26:1)
 

Autorin: Patricia Raltschew
 

Literatur:
Martens, Annika: Porzellan, Fayence, Majolika. Konsum chinesischer, mediterraner und niederländischer Keramik in den Hansestädten Hamburg und Lüneburg im 16./17. Jh. (Denkmalpflege in Lüneburg, Beiheft 2), Berlin 2012.

Weiss, Rainer-Maria (Hrsg.): Der Hamburger Hafen – Das Tor zur Welt im Spiegel archäologischer Funde, Hamburg 2006.

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