Ofenkacheln

Herrscher auf Ofenkacheln

 Bitte anklicken!

Abb. 1

Abb. 1

Abb. 2

Abb. 2

Abb. 3a

Abb. 3a

Abb. 3b

Abb. 3b

Abb. 4

Abb. 4

Abb. 5

Abb. 5

Abb. 6

Abb. 6

Abb. 7

Abb. 7

Abb. 8a

Abb. 8a

Abb. 8b

Abb. 8b

Abb. 9

Abb. 9

Abb. 10

Abb. 10

Abb. 11

Abb. 11

Abb. 12

Abb. 12

Abb. 13a

Abb. 13a

Abb. 13b

Abb. 13b

Abb. 13c

Abb. 13c

Abb. 14

Abb. 14

Abb. 15

Abb. 15

Abb. 16

Abb. 16

Abb. 17

Abb. 17

Abb. 18

Abb. 18

Abb. 19

Abb. 19

Abb. 20

Abb. 20

Abb. 21

Abb. 21

Abb. 22

Abb. 22

Abb. 23

Abb. 23

Abb. 24a

Abb. 24a

Abb. 24b

Abb. 24b

Abb. 25

Abb. 25

Abb. 26

Abb. 26

Abb. 27

Abb. 27

Abb. 28

Abb. 28

Abb. 29a

Abb. 29a

Abb. 29b

Abb. 29b

Abb. 29c

Abb. 29c

Teil einer Raum­kunst in Häusern waren neben bemal­ten Decken und Bildern an Wänden auch Kachel­öfen in der Stube. Tatsäch­lich finden sich unter den in Lüneburg ausge­grabenen Ofen­kacheln zahl­reiche mit Herrscher­darstel­lung. Voll­ständige Öfen sind nicht über­liefert. Bei Ausgra­bungen im Erdge­schoss eines Hauses auf dem Grund­stück „Auf der Altstadt 29”, in dem seit dem frühen 16. Jahrhun­dert Töpfer wohnten und arbei­teten, konnten in der rück­wärtigen Ecke der Stube in konzen­trierter Lage zahl­reiche schwarz glasierte Ofen­kacheln geborgen werden. Diese Blatt­kacheln lagen direkt auf dem Fuß­boden und weisen auf ihren Rück­seiten Ruß­spuren auf. 13 dieser Kacheln zeigen Darstel­lungen von Herrschern. Der Begründer des Schmal­kaldi­schen Bundes, Kurfürst Johann Friedrich I. (1503–1554) (Abb. 1), ist mit Kurz­schwert und Hut nach einer 1537 geprägten Medaille darge­stellt. In der Erne­stini­schen Linie folgen Johann Friedrich II. (1529–1595) (Abb. 2), Johann Wilhelm I. (1530–1573) (Abb. 3) und Friedrich Wilhelm I. (1562–1602) (Abb. 4). Ein Großteil der graphi­schen Vorlagen stammt von Lucas Cranach dem Jüngeren (1515–1586). Während diese Herrscher der Refor­mation zugetan waren, blieb Herzog Georg (1471–1539) aus der Alberti­nischen Linie der Sachsen bis zu seinem Tod Gegner reli­giöser Neuerungen (Abb. 5). Für seine Berück­sichtigung spricht nicht nur die verwandt­schaftliche Beziehung, sondern auch sein Eintreten für eine Dispu­tation zwischen Martin Luther (1483–1546) und Johann Eck (1494–1554), dem fränki­schen Reformator, im Jahre 1518. Ein Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren (1472–1553) von 1534 kann als Vorlage ange­sehen werden. Weitere Bild­kacheln stellen Fürst Philipp Wilhelm von Oranien-Nassau (1554–1618) (Abb. 6), König Sigismund III. Wasa (1556–1619) mit der Unterschrift „...NPOLEN” nach einem Kupfer­stich von Dominicus Custos (Abb. 7), Kaiser Rudolf II. (1552–1612) (Abb. 8a, b) und Kaiser Matthias von Öster­reich (1557–1619) (Abb. 9 und 10) dar. Matthias von Öster­reich erscheint in zwei Versionen als Brust­bild mit der Unter­schrift „MAT.DVX.OTERI” und als Hüft­bild mit der auf dem Kopf stehenden, unter einer dicken Glasur­schicht nur schwer. Drei Portraits sind nicht zu identi­fizieren, obwohl ein kleines Fragment die Unterschrift „VXSAX” trägt. Die einzige weibliche Person, die auf einer Ofen­kachel dieses Fundkom­plexes darge­stellt ist, kann als Anna von Öster­reich (1549–1580) ange­sprochen werden (Abb. 11). Anna von Öster­reich heiratete 1570 Philipp II., den König von Spanien.

Unter den Funden der Töpferei, in deren Haupt­haus der vorge­stellte Kachel­ofen stand, befinden sich sieben Model für die Produktion von Kacheln mit folgenden Portraits: Johann Wilhelm I. (Abb. 12), Matthias von Öster­reich (Abb. 13a-c) und Philipp von Oranien (Abb. 14) und vermut­lich Kurfürst Johann Georg von Branden­burg (1525–1598) (Abb. 15). Weiterhin wurden Ofen­kacheln mit dem Portrait Jakobs VI. von Schottland (1567–1625) (Abb. 16), des Kurfür­sten Johann Friedrich I. nach einer Vorlage von Lucas Cranach d.J. (Abb. 17) und des Kaisers Rudolf II. nach einem Kupfer­stich von Dominicus Custos herge­stellt (Abb. 18). Ein kleines grün glasiertes Fragment weist die Inschrift „ANNASOP...H∙ZV∙ME...” auf (Abb. 19), sicher­lich Anna Sophie von Mecklen­burg (1591–1648). Ein weiteres Fragment zeigt ein weibliches Portrait, das sowohl mit der Bezeichnung „DIE KONIGIN IN POLEN” als auch mit der Umschrift „DIE KÖNICHIN VON DENNEMARK” bekannt ist (Abb. 20). „DIE KONIGIN IN POLEN” bezeichnet entweder Anna von Polen (1573–1598), die Tochter Sigismunds I. – sie wurde 1575 zur polnischen Herrscherin proklamiert –, oder Anna von Österreich (1573–1598), die 1592 Sigismund III. Wasa (1566–1632) heiratete. „DIE KÖNICHIN VON DENNEMARK” ist bisher nicht identi­fiziert.

Aus einer Kloake vom Grundstück „Auf der Altstadt 30” wurde eine Serie von grün glasierten Blatt­kacheln geborgen, die von einem Ofen stammen können. Folgende Portraits können identi­fiziert werden: Christian IV. von Dänemark (1577–1648) (Abb. 21a), Jakob VI. von Schottland (1567–1625), Matthias von Österreich (1557–1619) (Abb. 22), Philipp Wilhelm von Oranien-Nassau (1554–1618), Rudolf II. (1552–1612) (Abb. 23) und wiederum ein weib­liches Portrait, das sowohl mit der Bezeichnung „DIE KONIGIN IN POLEN” als auch mit der Umschrift „DIE KÖNICHIN VON DENNEMARK” bekannt ist (Abb. 24a, b).

Neben den bisher vorge­stellten Fundkom­plexen sind aus der Lüne­burger Altstadt nur verein­zelte Ofen­kacheln mit Herrscher­portraits bekannt, von denen die identi­fizierbaren Portraits vorge­stellt werden sollen. Aus einer Kloake der Patrizier­parzelle „Große Bäckerstraße 26” stammt eine grün glasierte Ofen­kachel mit der Umschrift „H∙E∙V∙POMEREN” und in einer Kartusche die Datierung „1566” (Abb. 25). Der Rahmen und die Datierung sind von einer Reihe von Ofen­kacheln mit unter­schied­lichen Zentral­motiven bekannt, u. a. im Alt­bestand des Museums Lüneburg. Die Darge­stellte trägt Kleidung im Stil der Renaissance. Die Darge­stellte kann als Erdmuthe von Brandenburg (1561–1623) identifiziert werden, die durch Heirat mit Herzog Johann Friedrich von Pommern (1542–1600) Herzogin von Pommern wurde. Sie war die älteste Tochter des branden­burgischen Kur­fürsten Johann Georg (1525–1598), dessen Portrait in der oberen Kämmerei­diele des Lüne­burger Rathauses hängt. Als Einzel­fund vom Grundstück „Koltmann­straße 3” liegt das Fragment einer grün glasierten Ofen­kachel mit der Darstel­lung eines Mannes im Harnisch und dem Reichs­apfel in der rechten Hand vor (Abb. 26). Bei der Ganzfigur handelt es sich um Kaiser Karl V. (1500–1558) im Harnisch mit Schwert und Reichsapfel.

Ein weiteres grün glasiertes Kachel­fragment stammt aus einer Kloake der Parzelle „Bei der St. Johannis­kirche 19”, darge­stellt ist Kaiser Rudolf II. (1552–1612) (Abb. 27). In einer Keller­verfül­lung aus der Parzelle „Auf der Altstadt 48” lag das Fragment einer grün glasierten Ofen­kachel mit der Darstel­lung eines Mannes, der eine Schärpe trägt und als Herzog Johann Albrecht II. von Mecklen­burg-Güstrow (1590–1636) identi­fiziert werden (Abb. 28). Schließlich ist eine Eckkachel mit einer Herrscher­darstellung, die in der Unter­schrift als „PALSGRAF” bezeichnet wird, zu nennen (Abb. 29a, b, c). Die Kachel aus einer Kloake der Parzelle „Große Bäckerstraße 6/7” weist an ihrer Ecke das Wappen der Stadt Lüneburg auf.

Als Beweggründe für die Bemalung von Decken in repräsen­tativen Räumen mit Folgen von mythischen und histo­rischen Herrschern, vorrangig römische, byzan­tinische und deutsche Kaiser und Könige, und mit alttesta­mentlichen Helden sowohl im öffent­lichen als auch im privaten Räumen wird ein moralischer Anspruch deutlich, Vorbilder werden darge­stellt, Ahnen­reihen konstruiert und humani­stische Bildung wird wider­gespiegelt. Auch für die Herrscher- und Helden­darstel­lungen auf Ofen­kacheln gelten diese Gründe, doch der Kachel­ofen in der Stube ist privater, obwohl dieser Raum auch der Repräsen­tation und dem Geschäft diente. Die Motive der Kacheln verschieben sich auf eine etwas andere Ebene. Während an den Decken ausschließ­lich Kaiser und Könige darge­stellt werden, erscheinen auf Ofen­kacheln auch Kurfürsten, Herzöge, Pfalz­grafen und Fürsten, ein Nieder­schlag des Erstar­kens der landes­herrlichen Territo­rialge­walten im Heiligen Römi­schen Reich Deutscher Nation. Weiterhin treten zeitge­nössische Herrscher auf, die der Refor­mation zugetan waren oder diese vertraten. Der Kachel­ofen wird zu einem Medium, mit dem Weltan­schauungen ausge­drückt werden.

Die Kombination protes­tantischer und katholischer Herrscher spiegelt die Situation im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation wider. In der Hierarchie des Reiches regierten auch prote­stantische Landes­herren Herrschafts­gebiete unter einem katho­lischen Kaiser.
 

Ring, Edgar, Helden- und Herrscherdarstellungen an Decken, Wänden und auf Ofenkacheln in Lüneburg. In: Alfred Falk, Ulrich Müller und Manfred Schneider (Hrsg.), Lübeck und der Hanseraum. Festschrift für Manfred Gläser, Beiträge zu Archäologie und Kulturgeschichte, Lübeck 2014, 539-547.
Download PDF (4,2 MB)

Sitemap    Impressum    Datenschutzerklärung

www.stadtarchaeologie-lueneburg.de