Naturwissenschaftliche Untersuchungen

Die Bestattungen der „Döring-Gruft”

St. Lambertikirche

Die beiden nebeneinander in der Südwestecke der großen Gruft bestatteten Individuen lagen in westöstlicher Richtung und mit den Köpfen nach Westen.

Die nördlich gelegene Bestattung wurde in gestreckter Rückenlage mit in Höhe des Beckenbereichs übereinandergelegten Händen aufgefunden. Das Skelett befand sich in einem guten Erhaltungszustand. Lediglich die Füße und der stark fragmentierte Gesichtsschädel konnten nicht vollständig geborgen werden. Die anthropologischen Untersuchungen ergaben, dass es sich bei dieser Bestattung um die einer ca. 1,50 m großen Frau handelt, die aufgrund des Verknöcherungsgrades der Schädelnähte und den Abnutzungsspuren ihrer Zähne wahrscheinlich älter als 40 Jahre alt gewesen ist. Eine genauere Eingrenzung des erreichten Lebensalters steht noch aus. An den Knochen konnten keine auffälligen krankhaften Veränderungen festgestellt werden. Die vorhandenen Zähne des Gebisses waren, bis auf zwei von Karies befallene, in einem guten Zustand.

Im Gegensatz zur benachbarten Bestattung war die Frau in einem eher schlichten Sarg ohne aufwändige Beschläge und Verzierungen beigesetzt worden. Im Bereich der übereinandergelegten Hände fand sich ein goldener Ring mit einem Durchmesser von nur 1,4 cm.

Die südlich gelegene Bestattung der Gruft wurde ebenfalls in gestreckter Rückenlage aufgefunden. Die Arme waren in diesem Fall jedoch über dem Bauch verschränkt. Das Skelett ist fast vollständig erhalten. Das linke Bein und der zum Teil stark verwitterte Schädel befanden sich aufgrund äußerer Einflüsse nicht mehr im ursprünglichen anatomischen Verband. Denkbar wäre eine Verschiebung der Knochen durch den durch Erddruck bedingten Einsturz der Sargwände. Die anthropologischen Untersuchungen ergaben, dass es sich auch bei dieser Bestattung um die einer ca. 1,60 m großen Frau handelt. Ihre schon weit verknöcherten Schädelnähte, der verknöcherte Schildknorpel, die deutlichen Verschleißerscheinungen und der fortgeschrittene Abrieb der Zähne deuten auf ein Alter über 40 hin.

Kniegelenk

Knochengratbildung am Kniegelenk

Auch in diesem Fall gilt es, dass genaue Lebensalter zum Zeitpunkt des Todes einzugrenzen. Insbesondere an den Knie- und Fußgelenken fanden sich arthrotische Veränderungen, die sich durch eine Knochengratbildung am Gelenkrand auszeichnen und im Mittelfußbereich sogar Spuren eines entzündlichen Prozesses aufweisen. Die Arthrose war schon so weit fortgeschritten, dass die Frau unter schmerzhaften Bewegungseinschränkungen der betroffenen Regionen gelitten haben müsste. Die Ursachen können verschiedener Art sein. Neben dem altersbedingten Verschleiß der Gelenke wäre auch eine starke Über- oder Fehlbelastung, wie es z.B. bei Übergewicht oder anatomischen Fehlstellungen der Knie oder Füße der Fall ist, denkbar.

Mittelfußknochen

Knochengratbildung am 2. Mittelfußknochen, durch Entzündung zerstörte Knochensubstanz der Gelenkflächen

Eine weitere Auffälligkeit fand sich am rechten Oberarm. Der Knochen ist im Ellenbogenbereich leicht verdreht. Möglicherweise handelt es sich hierbei um die Folgen einer Verletzung der Wachstumsfuge des Knochens in der Kindheit. Eine genauere, noch anstehende Untersuchung wird hoffentlich Aufschluss über die Ursache dieser Fehlstellung erbringen. Die Frau wurde in einem aufwändig mit Bleischmuck versehenen Sarg bestattet.

Oberarmknochen

Krümmungsbedingte Verkürzung des rechten Oberarmknochens
 

Autorinnen: Eilin Einfeldt u. Dana Vick; in: Denkmalpflege in Lüneburg 2002, 77-79.
 

Literatur:
Einfeldt, Eilin u. Dana Vick: „Vor der Sülzen in St. Lambertikirch begraben”. Die Bestattungen der St. Lambertikirche: Ein Vorbericht. Denkmalpflege in Lüneburg 3, 2001, 75-82.

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