Metall

Barocker Sargschmuck

FO: St. Lambertikirche
4 Schädel auf gekreuzten Knochen
Fragmente eines Wappens der Familie von Döring
Blei, gegossen
17. /18. Jahrhundert

In der zweiten Grabungskampagne im Jahr 1999 konnte eine große Gruft aufgedeckt werden. Die Gruft befand sich im nördlichen Seitenchor der Kirche. Nicht nur ihre exponierte Lage, sondern auch ihre Größe und Ausführung unterscheidet sie von den anderen Grüften. Die Gruft war aus einem einsteinbreiten Verband aufgemauert und von einem Tonnengewölbe überspannt. Sie war für mindestens vier Bestattungen ausgelegt, möglicherweise auch für die doppelte Anzahl, das Ostende liegt heute zum Teil unter der Straße und konnte nicht erforscht werden. Dagegen sind die anderen ergrabenen Grüfte nur aus einem halbsteinstarken Verband errichtet und von flachen Grabsteinen abgedeckt gewesen. Sie boten nur maximal zwei Bestattungen Platz.

In der großen Gruft lagen in der Südwestecke zwei Skelette nebeneinander. Bei beiden konnten Reste der Särge dokumentiert werden. Der Sarg der südlichen Bestattung war zudem mit einem reichen Bleischmuck versehen.

Totenschädel aus Blei

Drei Totenschädel aus Blei

Gerade im Barock galt es, den Prunk des Lebens auch auf den Tod zu übertragen. Hierfür wurden die Särge mit Verzierungen aus Blei besetzt. Auch kann die Anzahl der Sarggriffe eine Aussage über die Werteinschätzung des Sarges machen. Dieser Sarg besaß insgesamt sechs Griffe, zwei an jeder Langseite und je einen am Kopf- und Fußende. Die Särge aus dem Kirchenschiff wiesen oft nur zwei bis vier Griffe auf, besaßen in einigen Fällen gar keinen Griff.

Auf dem Sargdeckel war ein kleiner Totenkopf auf gekreuzten Knochen angebracht. Diese figürlichen Verzierungen finden sich auch auf drei anderen Särgen, in einem Fall in Verbindung mit einem großen Bleikreuz. Auf dem Sargdeckel befanden sich weiterhin auf jeder Seite drei halbplastische Puttenköpfe. Auch der Rand scheint hier mit Blei beschlagen worden zu sein, ein noch über 40 cm langer, stabförmiger Beschlag legt dieses nahe.

Fragmente der Wappenscheibe

Fragmente der Wappenscheibe der Familie von Döring

Am Kopfende jedoch konnten die Reste einer Wappenscheibe freigelegt werden. Diese Reste waren allerdings bereits so stark korrodiert, dass eine vollständige Bergung unmöglich war. Nur einige wenige Fragmente konnten wir vorsichtig bergen. Diese ließen es aber zu, anhand der Wappenscheibe die bestattete Person der Lüneburger Patrizierfamilie von Döring zuzuweisen.

Familienwappen

Wappen der Familie von Döring
(nach Johann Wilhelm Büttner, 1704)

Die Familie von Döring gehörte von 1374 bis 1780 zum Patriziat der Stadt, dann starb der Lüneburger Zweig aus.

Autor: Marc Kühlborn; in: Denkmalpflege in Lüneburg 2002, 74-76.
 

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