Glas: Tischkultur

Milchglasvase, Fragmente

Westeuropa (Spanien oder Mitteldeutschland?), 1. H. 18. Jh.
FO: Lüneburg, An der Münze 4-6 (Kloake)
H 6,3 cm (unten) u. 6,2 cm (oben);
Ø Fuß 6,2 cm, Ø Lippe 5,7 cm, Gd 0,9 mm
Milchglas mit dunkelroter, gelber und blauer Fiederkämmung. Opalglas.
 

Vase

Unter- und Oberteil einer amphorenartigen Vase. 2fach gewickelter und flach gedrückter Fuß. Kugelig hochgewölbter Boden mit Abriss. Wandung gestreckt und mittig rund gebaucht. Gegenständige Milchglasschenkel mit gekerbten und gekniffenen Bändern aus Opalglas belegt.
 

Die beiden großen Fragmente gehören sicherlich zu einem Stück, das genaue Parallelen in der gekämmten Milchglasvase der Glassammlung des Bayrischen Nationalmuseums in München und in den Glassammlungen der Veste Coburg besitzt. Die amphorenartige Vasenform gibt es in verschiedenen Größen zwischen etwas 13 und 20 cm, wobei das Lüneburger Exemplar mit etwa 15 cm zu den eher kleineren Ausführungen gehört. Die Provenienz des Glasgefäßes ist nicht mit letzter Sicherheit zu bestimmen, da solcherart dekorierte Vasen in vielen Glaszentren vor allem Westeuropas hergestellt wurden. Ebenso ist noch nicht bekannt, wann die Form erstmals hergestellt und wie lange sie produziert wurde.

Der Begriff „Vase” ist modern und daher unter den Gläsern des Mittelalters und der frühen Neuzeit nicht überliefert. Für das Stück aus marmoriertem Glas gibt es Parallelen aus Inventaren nach dem 18. Jahrhundert, die diese Terminologie verwenden. Sicherlich wird man aber bereits in früheren Epochen Blumen in Glasgefäße und auf einen Tisch gestellt haben. Dafür werden Trinkgläser oder Flaschen aus dem Haushalt verwendet (also „zweckentfremdet”) worden sein, was Stillleben des 17. und 18. Jahrhunderts durchaus bestätigen.

 
Autor: Peter Steppuhn; in: Glaskultur in Niedersachsen, 2003, 14 u. 158 (gekürzt).
 

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