Glas: Stangengläser

Stangenglas mit roten Fäden

Deutschland, 1. H. 16. Jh.
FO: Lüneburg, Auf dem Wüstenort 8 (Kloake)
H 9,1 cm; Ø Fuß 10,1 cm, Wandung 4,6 cm; Gd. 1,2 mm
Hellgrünes Glas mit eingeschmolzenen roten Fäden. Irisiert und korrodiert.
 

Stangenglas

Durch Hochstechen der Glasblase hergestellter, spitz hochgestochener Fuß mit hohlem Rand und roter Glasmasse am Abriss. Wandung unten rund, weiter oben vermutlich achtkantig. Unregelmäßig und wellenförmig eingeschmolzene breite rote Fäden. Zweifache plastisch aufgelegte und gekerbte Fadenauflage.
 

Das Stangenglasfragment besticht durch die leuchtend dunkelroten, völlig eingeschmolzenen Fäden. Vergleichsstücke zu dieser Ausführung sind außerordentlich selten. Bislang ist nur ein Achtkantglas aus Lübeck bekannt, das neben roten, ebenfalls eingeschmolzenen Fadenauflagen, mit herausgekniffenen Tierkopfnuppen verziert wurde. Das Lüneburger Glas gehört zu der großen Gruppe von Stangengläsern (vermutlich auch hier) mit Tierkopfnuppen, die in der Zeit um 1500 aufkamen und ihre größte Verbreitung in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts im mittleren Teil Deutschlands von Schleswig-Holstein bis nach Hessen und im Osten bis nach Thüringen fanden. Auffällig ist am Abriss des Fußes ein Rest roter Glasmasse. Dieser gelangte vermutlich dorthin, als das verzierte Glasgefäß nochmals mit einem Hefteisen, an dem sich die farbige Masse befand, aufgenommen wurde, um abschließend überwärmt und geglättet zu werden.

 
Autor: Peter Steppuhn; in: Glaskultur in Niedersachsen, 2003, 107 (gekürzt).
 

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