Glas: Medizin und Alchemie

Zwei Urinale, Fragmente

Deutschland, 15.-17. Jh.
Oberteile zweier Urinale mit bauchiger Wandung und zylindrischem Hals. Leicht verdickte, breite Lippe stark ausbiegend.
 

Urinal a)

a) FO: Lüneburg, Grapengießerstr. 15 (Brunnen)
H max. 8,6 cm; Ø Hals 4,1 cm; Ø Lippe 6,6 cm; Gd. 0,5 mm
Hellgelbgrünes Glas. Getrübt, stellenweise braune Korrosionsflecken. Geklebt.
 

Urinal b)

b) FO: Lüneburg, Am Berge 19 (Kloake)
H max. 11,1 cm; Ø Hals 4,9 cm; Ø Lippe 7,5 cm; Gd. 0,5 mm
Hellgelbgrünes Glas. Getrübt. Geklebt.
 

Urinale sind beutelförmige Glasgefäße mit rundem Boden ohne Standvorrichtung und mit weit ausbiegender, oft waagerechter Lippe. Sie bestehen aus sehr dünnem Glas, um, wie es schon die spezifische Form andeutet, in der Hand gehalten werden zu können und eine Durchsicht durch das Glas im Gegenlicht zu ermöglichen. Urinale dienten zur Harnschau, um die Flüssigkeit auf Trübung oder Rückstände hin zu untersuchen und so eine erste Diagnose einer Krankheit vornehmen zu können. Bereits im Mittelalter wurden die Urinale zu einem Attribut der Ärzte, wofür es eine Reihe von Bildquellen gibt. Parallel dazu gibt es eine Reihe von Funden dieser Art aus archäologischen Komplexen, die den Gebrauch der Urinale vom 13. bis in das 18. Jahrhundert hinein bestätigen. Gerade für das 13. bis 15. Jahrhundert konnte der Nachweis von Urinalen besonders häufig erfolgen, wobei interessant ist, dass es sowohl in Südeuropa als auch nördlich der Alpen durchgehend vor allem die beutelartige Form als den „Prototypen” eines Urinals gegeben zu haben scheint.

 
Autor: Peter Steppuhn; in: Glaskultur in Niedersachsen, 2003, 174 f. (gekürzt).
 

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