Glas: Medizin und Alchemie

3 Destillierhelme, Fragmente

Deutschland, 15.-17. Jh.
 

3 Destillierhelme

a) FO: Lüneburg, An der Münze (Einzelfund)
H max. 19,8 cm; Ø Röhre max. 9,1/ min. 1,4 cm; Gd. 0,9 mm
Hellgelbgrünes blasiges Glas.
Röhrenfragment eines Alembiks mit Ansatz zum Helm.
 

b) FO: Lüneburg, Große Bäckerstraße 22 (Kloake)
H max. 19,4 cm; Ø Röhre max. 9,7/ min. 1,6 cm; Gd. 2,1 mm
Olivgrünes blasiges Glas.
Komplette Röhre eines Alembiks mit Ansatz zum Helm.
 

c) FO: Lüneburg, Am Sande 19 (Kloake)
H max. 4,9 cm; Ø Lippe 9,1 cm; Gd. 2,0 mm
Hellgrünes Glas. Verwittert und getrübt. Geklebt.
Helmfragment eines Alembiks mit gestauchter Ablaufrinne. Gerade Lippe.
 

Destillierkolben und Destillierhelme (Alembiks) zum Verdampfen von Flüssigkeiten zu alchemistischen oder medizinischen Zwecken sind aus vielen Fundkomplexen des 15./16. Jahrhunderts von Südost- bis Nordeuropa bekannt geworden, wobei die jüngst publizierten Funde des Alchemistenlaboratoriums in Oberstockstall, Niederösterreich, zu den umfangreichsten zählen. Geräte zum Destillieren wurden seit dem Mittelalter nicht nur von Alchemisten, Ärzten und Apothekern benutzt, sondern ebenso von Händlern und Handwerkern. Sie finden sich außerdem in vielen Haushalten aller sozialer Schichten. In den Alchemielabor- und Apothekeninventaren finden sich sowohl keramische als auch gläserne Gefäße. Wichtig war, dass die verwendeten Materialien reaktionsneutral waren und sich desinfizieren lassen konnten. Überlieferte Inventarlisten belegen, dass die verwendeten Gefäße etwa jeweils zur Hälfte aus Keramik und Glas bestanden, was sich auch im archäologischen Material widerspiegelt. In den Destillierkolben, die häufiger aus Keramik als aus Glas bestanden, wurde die Flüssigkeit erhitzt und zum Verdampfen gebracht. Der Dampf setzte sich im darüber befindlichen gläsernen Destillierhelm ab und gelangte durch die (zur schnelleren Abkühlung) lange Tülle in ein Auffanggefäß. Die Nürnberger Apothekerordnung aus dem Jahr 1555 schreibt ausdrücklich vor, dass „allein die gleser zum prennen der Wasser” zu benutzen sind, da in Metallgefäßen hergestellte Arzneien „den Menschen im Leib schedlich sein”. Wie schon Baumgartner/Krueger feststellten, sind die gläsernen Destillationsgefäße über lange Zeiträume und weite Entfernungen aufgrund ihrer Funktionalität recht uniform, so dass Unterscheidungen und exakte Datierungen allein über die Glasfunde kaum möglich sind.

 
Autor: Peter Steppuhn; in: Glaskultur in Niedersachsen, 2003, 14 u. 172 f. (gekürzt).
 

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