Glas: Kelchgläser à la façon de Venise

Kelchglas, „mezza stampaura”

Niederlande, 1. H. 17. Jh.
FO: Lüneburg, An der Münze 4-6 (Kloake)
H 12,9 cm; Ø Fuß 6,6 cm; Ø Lippe 6,8 cm; Gd Lippe 1,0 mm
Farbloses Glas. Irisiert und korrodiert. Geklebt.
Reste von Vergoldung.
 

Kelchglas

Flache, kaum ansteigende Fußscheibe mit nach unten umgeschlagenem Rand. Stiel mit flacher Scheibe, geripptem und ehemals vergoldetem Hohlbaluster sowie zwei kleineren Scheiben. Unterteil der Kuppa 13fach gerippt („mezza stampaura”) und über den Rippenköpfen eingeschnürt. Plastische, gerkerbte Fadenauflage. Oberhalb der Rippen konische Wandung. Lippe nicht verdickt.
 

Die kräftig profilierten Rippen am unteren Teil der Kuppa erhielt man dadurch, dass über diese Partie des Gefäßes eine zweite Glasschicht gelegt und anschließend durch Einführen in ein Rippenmodel endgültig ausgeformt wurde. Diese Verzierungsform findet sich an vielen Glasgefäßen des 17. Jahrhunderts aus venezianischen wie auch nordeuropäischen Glashütten. Das Lüneburger Exemplar ist aufgrund der Glasmasse und der gekerbten Fadenauflage als nordwesteuropäisches Stück einzuordnen. Möglicherweise ist es im niederländischen Middelburg entstanden, wo ähnliche Kelchgläser, insbesondere solche mit geripptem und vergoldetem Hohlnodus, hergestellt wurden.

 
Autor: Peter Steppuhn; in: Glaskultur in Niedersachsen, 2003, 119 (gekürzt).
 

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