Glas: Kelchgläser

Kelchgläser: Einführung

Kelchgläser bestehen in der Regel aus drei zusammengefügten Teilen: eine Fußplatte, über die sich ein massiver oder hohler Stiel in verschiedenen Ausführungen erhebt und schließlich ein Kelch (auch „Kuppa” genannt), dessen Ausformung ebenfalls viele Variationen kennt. Durch ihre elegante Form mit oft sehr aufwändigen Verzierungen zählen sie zur anspruchsvollen Tischkultur.

Das älteste Stück der Ausstellung stammt aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts (Kelchglas, Fadendekor), die übrigen gehören in das frühe 17. Jahrhundert.

Spitzgläser mit flötenartigem Kelch wurden in Belgien und den Niederlanden (Vgl. Spitzgläser), aber auch in norddeutschen Glashütten (Vgl. Spitzglas, Fragment) hergestellt. Die Flöte ist eine in den Niederlanden entworfene Form.

Exemplare mit optisch geblasenen Wandungen entstanden in Nordfrankreich (Vgl. Kelchglas) und Böhmen (Vgl. Kelchglas mit Ringen), aber auch in anderen Regionen Europas.

Venezianisch beeinflusst oder auch nach venezianischer Art („à la façon de Venise”) zumeist in südniederländischen Glashütten hergestellt ist ein großer Teil der Exponate. Interessant sind ein Glas in „mezza stampaura”-Technik hergestellter Kelch. Bei den Exemplaren auf Löwenkopf-Baluster fallen insbesondere die vergoldeten Löwenmasken und ein spitzer Kelch mit Diamantriss auf. Kelchgläser mit Fadeneinlagen sind besonders stark dem venezianischen Vorbild entlehnt.

Bei der Gruppe der Flügel- und Schlangengläser lassen sich die schlichteren Gläser aus Venedig (Gläser a und b) von den teilweise üppig ausgestalteten Produkten der Hütten nördlich der Alpen (Gläser c und d) unterscheiden.

Unter den emailbemalten Gläsern, die zumeist in Böhmen, aber auch in Deutschland produziert wurden, fällt das Glas mit applizierten Cheruben-Medaillons auf.

 
Autor: Peter Steppuhn; in: Glaskultur in Niedersachsen, 2003, 12 f. (gekürzt).
 

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