Glas: Flaschen

Vierkantflaschen

Viereckige Flaschen, die auf Grund ihrer Form noch Platz sparender untergebracht werden konnten, waren oft mit Spirituosen gefüllt und fanden allgemein in den Haushalten und Apotheken Verwendung.
 

4 Kleine Vierkantflaschen

Deutschland, 17./Anfang 18. Jh.
FO: Lüneburg, Am Berge 39 und Große Bäckerstraße 27 (kleinste Flasche)
H 6,6-13,9 cm; Ø Wandung 3,4x3,4-5,2x5,2 cm; Ø Lippe 1,7-2,2 cm;
Gd. 1,1-1,8 mm. Farbloses und hellgrünes Glas. Teilweise getrübt und korrodiert.
 

Kleine Vierkantflaschen

Gleichmäßig quadratische Flaschen mit runden Schultern und sehr kurzen Hälsen. Geweitete Lippe jeweils abgeschnitten und verrundet.
 

Wie bei den zylindrischen und bauchigen Flaschen gibt es ebenso bei den vierkantigen Flaschen größere und kleinere Formate, je nachdem, welche Mengen aufbewahrt werden mussten.

Vierkantige Flaschen sind seit der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts bekannt. Für ihre Herstellung wurden sie in eine Form gegossen. Ihre größte Verbreitung erfuhren sie im 17. Jahrhundert in ganz Mitteleuropa und wurden in den Niederlanden die meistverwendete Flaschenform dieser Zeit. In der Regel verschloss man die Flaschen mit einem Stopfen, seit Mitte des 17. Jahrhunderts waren daneben auch Zinnschraubverschlüsse bekannt. In großen Vierkantflaschen wird Wein verwahrt worden sein, die kleineren Exemplare waren wohl für Spirituosen gedacht. Durch ihre Form konnten sie platzsparend und übersichtlich aufbewahrt werden. Solche Flaschen wurden gern zu Transportzwecken verwendet, und zwar in oben offenen Holzkästen. Vierkantflaschen waren die gängigste Form von Transportflaschen (sogar für die Übersee-Verschiffung) und so ist es nicht erstaunlich, dass man in Nordeuropa hergestellte Flaschen sogar in den Vereinigten Staaten gefunden hat. Vierkantflaschen fanden außerdem schnell Eingang in Apotheken und alchemistischen Betrieben, bereits um 1580 gehörten sie zur gängigen Ausstattung, wie archäologische Untersuchungen z.B. in der ehemaligen Ratsapotheke zu Lübeck ergeben haben. Aber auch in bürgerlichen Haushalten wurden viereckige Flaschen benutzt, was einer großen Anzahl vor allem niederländischer Gemälden zu entnehmen ist. Bereits im 3. Viertel des 16. Jahrhunderts wurden viereckige Flaschen aufgrund ihrer großen planen Flächen gerne bemalt. Süddeutsche Apotheken vor allem des 18. und 19. Jahrhunderts boten mit ihren bemalten Flaschen einen farbenprächtigen Anblick.

 
Autor: Peter Steppuhn; in: Glaskultur in Niedersachsen, 2003, 160-162 (gekürzt).
 

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