Glas: Flaschen

Runde Flaschen

Runde gebauchte und ovale Flaschen zum Abfüllen und Transport verschiedener Weinsorten kamen um die Mitte des 17. Jahrhunderts auf. Sie wurden, wie heute, mehrfach verwendet und waren auch für eine Verschiffung nach Übersee gedacht. Aufgeschmolzene Siegel (s.u.) gaben Hinweise auf Inhalt, Eigentum oder Flaschenproduzent.
 

3 Weinflaschen

Nordwesteuropa, etwa 1680-1740
FO: Lüneburg, Rathaus - Gerichtslaube - (Kloake)
H 12,6-20,1 cm; Ø Lippe 2,0-2,6 cm; Gd. 1,8-2,6 mm
Dunkelgrünes, grüngelbes und gelbgrünes blasiges Glas. Stellenweise irisiert.
 

Weinflaschen

Gewölbter Boden. Bauchige und ovale Wandung. Randfaden unterhalb der leicht geweiteten Lippe.
 

Diese drei Weinflaschen aus der Zeit kurz vor 1700 und der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts sind Teil eines umfangreichen Kloakenkomplexes aus der Lüneburger Gerichtslaube, der noch weitere Flaschen sowie mehrere Weingläser (Römer) des 17., vor allem des 18. Jahrhunderts zum Inhalt hatte. Neben den Glasgefäßen fanden sich ebenso Überreste von dreibeinigen Grapen aus heller Irdenware mit farbigen Glasuren sowie Holzteile und Nahrungsreste. Die Kloakenfunde sind als Hinterlassenschaft der Zeit zu sehen, als im Ratsweinkeller der Stadt Getränke und Speisen ausgegeben wurden. Drei Schnapsflaschen mit den Initialen „A. N. M.” stehen dabei vermutlich für Anthon Nicolaus Möller, der in den Jahren 1756 bis 1784 Pächter dieses Schankbetriebes war. Die drei unversehrten Weinflaschen repräsentieren die gängigsten Typen aus der Zeit um 1700, die in ganz Nordwesteuropa in ähnlicher Ausführung hergestellt wurden. Sie waren keineswegs „Einwegflaschen”, sondern wurden wiederholt abgefüllt und - geleert...
 

Flaschensiegel

Langwedel/Holstein, um 1670
FO: Lüneburg, Auf dem Wüstenort (Kloake)
Ø max. 4,4 cm; Gd. 3-5 mm
Hellgrünes Glas.
 

Flaschensiegel

Rundes Flaschensiegel mit figürlicher Darstellung und Umschrift „FORTUNA VT LUNA”. Randwulst durch Aufdrücken der Siegelplatte.
 

Die Gestalt der auf einer Kugel stehenden Fortuna, die ein an einem Rundholz befestigtes velum mit großem Schwung über ihren Kopf schwingt, ist ein beliebtes Siegelmotiv, das in vielen Variationen von den Glasmacherfamilien Gundelach und Kunckel in Schleswig-Holstein verwendet wurde. Das weitverbreitete Glücksymbol findet sich vielfach in graphischen Darstellungen, oft verbunden mit maritimen Motiven, auf keramischen Erzeugnissen sowie auf Münzen und schließlich im Lütjenburger Bürgerwappen. Da das in Lüneburg gefundene Flaschensiegel exakt dem des Johan Kunckel gleicht, der in der Zeit um 1670 die Glashütte in Langwedel betrieb, wird man davon ausgehen können, dass die entsprechende Flasche auf dieser Hütte gesiegelt wurde. Die Bedeutung der Umschrift „FORTUNA VT LUNA” (interessant ist übrigens die gleichzeitige Verwendung von U und V) bezieht sich vermutlich auf die Vorstellung, dass das Glück so wechselhaft wie der Mond ist; ein Bezug auf die Stadt Lüneburg erscheint weniger wahrscheinlich.

 
Autor: Peter Steppuhn; in: Glaskultur in Niedersachsen, 2003, 159-161 (gekürzt).
 

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