Glas: Fensterglas

Glasfenster des Mittelalters und der frühen Neuzeit waren zwar durchscheinend, aber wegen der nur unzureichend geklärten Glasmasse noch nicht durchsichtig. Das änderte sich erst im Verlauf des 18. Jahrhunderts. Kabinettscheiben mit unterschiedlichen Motiven finden sich in Bürgerhäusern seit dem späten 14. Jahrhundert; die Lüneburger Beispiele datieren in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts.
 

Kabinettscheibe mit Frauenportrait

Niedersachsen, 2. H. 17. Jh.
FO: Lüneburg, Auf dem Wüstenort 8 (Kloake)
Max. 12,0 x 9,6 cm; Gd. 1,9 mm
Hellgrünes Glas. Rotlot (korrodiert) und Silbergelb. Geklebt.
 

Kabinettscheibe mit Frauenportrait

Hellgrünes zylindergeblasenes Glas. Einseitig bemalt: Rotlot (Konturen) und Silbergelb (Hinterlegen der Engeldarstellung, Federbüsche, Haube des Frauenportraits). Allseits gekröselt.
 

Im Gegensatz zur monumentalen Glasmalerei in sakralen Gebäuden, werden mit Kabinettscheiben kleinformatige Glasbilder bezeichnet, die als „Bild im Fenster” für das Betrachten aus der Nähe angelegt sind. Je nach Anlass und Thema der Malerei werden die bemalten Glastafeln auch als Figuren, Wappen-, Hausmarken-, Inschrift-oder Hochzeitsscheibe bezeichnet. Im adligen Bereich finden sich besonders häufig Wappenscheiben, in Kirchen und Klöstern dagegen sogenannte Stifterscheiben, die einen Hinweis auf die jeweiligen Stifter der Glasfenster enthalten. Die Bezeichnung Stifterscheibe fand jedoch bald Eingang auch in den nichtsakralen Bereich und wird verschiedentlich als Oberbegriff für bemalte Glasfenster verwendet. Um 1900 entstanden zudem die Namen „Fensterbierscheibe” und „Bauernscheibe”. Zweck der Glasmalerei war der Hinweis auf ein besonderes Ereignis oder eine Person, der es zu gedenken galt. Bei der hier vorgestellten Kabinettscheibe sieht man die medaillonartige Darstellung eines Frauenportraits, über der sich ein nach rechts blickender Engel befindet. Engelbekrönte Malereien finden sich oft unter den Glasgemälden; sie sollen symbolisieren, dass sich die betreffenden Personen unter Gottes besonderem Schutz befinden.
 

Kabinettscheibe mit Hausmarke, Fragment

Niedersachsen, 3. Drittel 17. Jh.
FO: Lüneburg, Auf dem Wüstenort 8 (Kloake)
Max. 10,2 x 5,8 cm; Gd. 0,9 mm
Hellgrünes Glas. Schwarzlot (z.T. korrodiert) und Silbergelb. Geklebt.
 

Kabinettscheibe mit Hausmarke

Hellgrünes zylindergeblasenes Glas. Zweiseitig bemalt: innen (Schwarzlot: Hausmarke, Initialen, Ranken, Flächendekor), außen (Schwarzlot: Hausmarke; Silbergelb: Hinterlegen der Ranken). Bruchkante und gekröselte Rundung.
 

Der untere Teil der vermutlich ehemals kreisrunden Kabinettscheibe ist nicht mehr erhalten. Darauf werden weitere Angaben zu Name und Beruf des Besitzers gestanden haben. Außergewöhnlich ist der beidseitige Schwarzlotauftrag der Hausmarke. Die individuelle Schreibweise der beiden „H” mit den hängenden Verbindungsstegen findet sich in gleicher Weise auf einem Wappenschild mit Hausmarke aus Gehrde, Kreis Osnabrück, die laut Inschrift auf das Jahr 1674 datiert ist. Dadurch wird eine Datierung der Lüneburger Scheibe etwa in den gleichen Zeitraum möglich.

 
Autor: Peter Steppuhn; in: Glaskultur in Niedersachsen, 2003, 186 (gekürzt).
 

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