Glas: Fensterglas

„Herr Lutke von Dassel hat gebawet....”

Fragmente einer Fensterscheibe mit dem Wappen
der Familie von Dassel

1. Drittel 16. Jh.
FO: Lüneburg, Große Bäckerstraße 26
H 8 cm; B 7,5 cm
Flachglas, emailliert

In Kloake 3 auf dem Grundstück „Große Bäckerstraße 26” fanden sich mehrere Fragmente eines bleiverglasten und emailbemalten Fensters. Einige dieser Fragmente können dem Wappen der Lüneburger Patrizierfamilie von Dassel zugerechnet werden. Die Familie von Dassel war von 1517 bis 1629 auf dieser Parzelle ansässig.

Die Bruchstücke zeigen einen mittelalterlichen Helm und ein Lindenblatt.

Fensterglas mit Lindenblättern

Lindenblätter aus dem Wappen der Familie von Dassel.
 

Wappen der Familie von Dassel

Wappen der Familie von Dassel (nach Büttner 1704).
 

Die bemalten Fragmente sind mit der sogenannten Kröselzange in Form gebracht worden. Mit einer kleinen Zange werden kleine Splitter abgebrochen und das Glas so vor Ort bearbeitet. Diese Methode wurde im 16. und 17. Jahrhundert durch eine Schneidetechnik abgelöst. Dieses bestätigt nochmals die Datierung durch das Motiv.

Vermutlich befand sich das Wappen in einem Fenster des rückwärtigen Giebels. Dieser Giebel besaß im Erdgeschoß zwei großflächige Fenster. Lutke von Dassel, der das Haus 1516 erwarb, fügte mehrfach sein Wappen an dem Gebäude an. So ist überliefert, dass er ein Portal mit seinem Wappen und dem Wappen seiner ersten Ehefrau einbauen ließ. Dazu berichtet die Chronik des Jörg Hammerstede aus den Jahren 1589/90: „Daß Sprenck [Portal] von hauwe[n] Stein ann seiner Haußthür sol derzeit gestande[n] habenn 500 M[ark] lüb[isch]”. Reste dieses Portals sind im Museum für das Fürstentum Lüneburg ausgestellt. Der Wert von 500 lübschen Mark entspricht ungefähr dem eines normalen Wohnhauses.

Nach dem Tod seiner ersten Frau Gesche von Stöterogge heiratete Lutke 1527 Ilsabe von Sanckenstede. Sein Wappen und die seiner beiden Ehefrauen ließ er auf zwei Beischlagwangen verewigen.

Autor: Marc Kühlborn; in: Denkmalpflege in Lüneburg 2002, 12-13.
 

Literatur:
Kühlborn, Marc: Ein Glas- und Keramikensemble der frühen Neuzeit aus Lüneburg, Archäologie und Bauforschung in Lüneburg 1, 1995, 7-127.

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