Glas: Flachglas

Reste von Fensterverglasungen sind allgemein im archäologischen Fundmaterial des späten Mittelalters, vor allem aber der Neuzeit, in viel größeren Mengen vorhanden, als es hier mit den wenigen Exponaten den Anschein hat. Glasfenster im profanen Hausbau setzen in den Städten des 13. und 14. Jahrhunderts mit dem Übergang vom Holz- zum Steinbau ein, werden aber erst im Verlauf des späten 15. Jahrhunderts allgemein üblich. Aus der frühen Phase des Beginns von Fensterverglasungen, dem 13./14. Jahrhundert, stammen zwei Fragmente aus Lüneburg, die in derselben Kloake lagen (s.u.). Die zylindergeblasenen Stücke aus grün eingefärbter Glasmasse bzw. rotem Überfangglas geben einen Hinweis auf farbige Verglasungen im bürgerlichen Hausbau.
 

Farbiges Fensterglas, Fragmente

Deutschland, 13./14. Jh.
FO: Lüneburg, Am Berge 19 (Kloake)
 

Farbiges Fensterglas, rot überfangen

a) Max. 3,7 x 3,4 cm; Gd. 1,0 mm
Hellgelbgrünes Glas. Rotes Überfangglas.
Zylindergeblasenes Flachglas. Einseitig roter Überfang.
1 Seite gekröselt, 3 Seiten gebrochen.
 

Farbiges Fensterglas, grün

b) Max. 5,6 x 2,4 cm; Gd. 1,6-3,8 mm
Smaragdgrünes Bleiglas. Getrübt. Schwarzlotmalerei.
Gestrecktes Glas. Florale Schwarzlotmalerei.
3 Seiten gekröselt, 1 Seite gebrochen.
 

Die zwei Fragmente zählen zu den insgesamt raren farbigen Flachglasstücken aus Lüneburgs Boden, die sich mit Sicherheit noch in das Spätmittelalter datieren lassen. Unter den weiteren Glasfunden aus der Kloake des Grundstückes Am Berge 19 waren keine anderen Stücke der gleichen Zeit, so dass offen bleiben muss, wie die ursprüngliche Fensterverglasung ausgesehen hat. Die beiden Fragmente sind so singulär unter den ansonsten frühneuzeitlichen Funden des Abfallschachtes, dass sie bereits als Einzelstücke in diesen geraten sein könnten. Damit muss gleichfalls offen bleiben, ob die Flachglasreste aus ehemals sakralem oder profanem Umfeld stammen. In Lüneburgs ältestem Stadtbuch wird Fensterverglasung für das Jahr 1354 erwähnt, danach sind Glasfenster mit venezianischen Scheiben in Lüneburger Testamenten aus den Jahren 1414 und 1424 genannt. Am archäologischen Fundmaterial lässt sich ablesen, dass im Verlauf des 15. Jahrhunderts nicht nur Kirchen und Klöster, sondern ebenso bürgerliche Bauten mehr und mehr Fensterverglasungen erhielten.

 
Autor: Peter Steppuhn; in: Glaskultur in Niedersachsen, 2003, 15 u. 184 f. (gekürzt).
 

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