Glas: Becher: optisch geblasene Dekore

Becher mit Punktmuster

Nordostfrankreich?, 14. Jh.
FO: Lüneburg, Glockenhof (Kloake 4)
H 4,7 cm; Ø Boden 4,1 cm; Gd. 0,6 mm
Farbloses klares Glas mit minimalem Gelbstich.
Teils getrübt, teils irisiert. Geklebt.
 

Becher mit Punktmuster

Hochgestochener Boden. Flächendeckendes formgeblasenes Muster aus gereihten, versetzt angeordneten Buckeln mit mittlerer Vertiefung, nach oben schwächer ausgeprägt. Die kleinen feingemusterten Punktbecher sind zwar nicht häufig, tauchen aber in ganz Mitteleuropa in Fundzusammenhängen des 13. bis 15. Jahrhunderts auf. Der zarte Dekor und die farblose Glasmasse deuten auf einen hohen Fertigungsstand. Vermutlich wurde zumindest der untere Teil des Bechers in eine Form geblasen und anschließend die Mündungspartie geweitet, wodurch sich das zur Lippe hin schwächer werdende Muster erklärt. Das genaue Herkunftsgebiet ist unbekannt, doch deuten Gläser mit Punkt-, oder Rautenmuster sowie Fischgrät-oder Zickzackmuster und zum Teil noch feineren Musterungen aus nordfranzösischen Hüttenkomplexen die Möglichkeit an, dass solche Glasgefäße in dieser Region hergestellt worden sein könnten. Becher mit Punktmuster sind seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts z. B. aus Basel und Lübeck belegt, kommen in Frankreich in mehreren Zusammenhängen des 14. Jahrhunderts und schließlich in Fundkomplexen des 14./15. Jahrhunderts vom Oberrhein bis nach Mecklenburg-Vorpommern vor.
 

Drei optisch geblasene Becher

Westdeutschland, 2. H. 15. Jh.
 

3 optisch geblasene Becher

a) Fundort: Lüneburg, Glockenhof (Kloake 1)
H 4,1 cm; Ø Lippe 7,5 cm; Gd. 2,1 mm
Hellgrünes Glas. Stellenweise getrübt. Geklebt.
Stark gewölbter Boden. Flache Schalenform („Maigelein”). Grobes Kreuzrippenmuster. Lippe leicht eingezogen und nicht verdickt.
 

b) Fundort: Lüneburg, Am Berge 19 (Kloake)
H 2,9 cm; Ø Lippe 8,4 cm; Gd. 2,2 mm
Hellgrüngelbes Glas. Geklebt.
Stark gewölbter Boden. Flache Schalenform („Maigelein”). Sehr feines Kreuzrippenmuster. Lippe leicht eingezogen und nicht verdickt.
 

c) Fundort: Lüneburg, Am Berge 19 (Kloake)
H 6,2 cm; Ø Lippe 5,0 cm; Gd. 1,9 mm
Hellgrünes Glas. Geklebt.
Stark gewölbter Boden. Gerade Wandung.
Diagonales Rippenmuster. Lippe nicht verdickt.
 

Optisch geblasene Becher sind Gläser, die in eine einteilige Form vorgeblasen und anschließend weiterverarbeitet wurden. Solcherart hergestellte Glasgefäße zählen im 15. und 16. Jahrhundert zu den häufigsten Glasformen im westlichen Mitteleuropa.
 

Rippenbecher

Rhein-/Maasgebiet oder Deutschland, Anfang 16. Jh.
FO: Lüneburg
H 10,8 cm; Ø Fuß 6,2 cm; Ø Lippe 9,5 cm; Gd. 0,9 mm
Kobaltblaues Glas. Getrübt. Geklebt.
 

Rippenbecher

Hochgestochener Boden. Einziehendes Unterteil, darüber ausladend konische Wandung. Optisch geblasenes 18faches senkrecht verlaufendes Rippenmuster. Lippe nicht verdickt.
 

Der blaue Becher nimmt aufgrund seiner Farbe und seines stark einziehenden Unterteils eine Sonderstellung unter den optisch geblasenen Bechern ein. Interessanterweise ähneln sich die bislang bekannt gewordenen Parallelen zu diesem Stück, die vor allem aus dem mittleren und nördlichen Nordeuropa stammen, in so großem Maße, dass man in diesem Gebiet eine eng umgrenzte Herstellungsregion annehmen möchte. Die jeweiligen Fundumstände und Datierungshin-weise sprechen weiterhin dafür, dass dieser Typ nur über einen recht kurzen Zeitraum hergestellt wurde.
 

Blauer Becher

Deutschland, 16. Jh.
FO: Lüneburg, Große Bäckerstraße 27 (Kloake)
H 6,4 cm; Ø Boden 4,0 cm; Gd. 0,5 mm
Kobaltblaues Glas. Teils getrübt, teils irisiert. Geklebt.
 

Blauer Becher

Gekerbter Fußring. Gerade Wandung mit optisch geblasenem Wabenmuster, das nur in der Mitte des Gefäßes zu erkennen ist.
 

Dieser sehr zarte Becher hat vom Muster her sein Pendant in der blauen Schale. Exakte Parallelen sind nicht bekannt, man wird das Glas aber als „Luxusausführung” der optisch geblasenen Becher einstufen können, die im 16. Jahrhundert sehr beliebt waren.

Autor: Peter Steppuhn; in: Glaskultur in Niedersachsen, 2003, 76-79 (gekürzt).
 

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