Glas: Becher: Krautstrünke

Krautstrunk, Fragment

Deutschland, um 1500
FO: Lüneburg, An der Münze 4-6 (Kloake)
H 7,4; Ø Fußring 5,1 cm; Gd. 0,9 mm
Grünblaues Glas.
Stellenweise völlig korrodiert. Geklebt.
 

Krautstrunk, Fragment

2fach gewickelter Fußring. Hochgestochener Boden. Auf der tonnenförmigen Wandung noch 3 Vertikalreihen mit je 2 nach oben gerichteten Nuppen.
 

Der „Krautstrunk” steht für einen meist tonnenförmigen Becher mit ausbiegender bis schalenförmiger Lippe und einer Wandung, die mit recht großen Nuppen bedeckt ist. Das Profil des Glasgefäßes mit den nach oben gerichteten Nuppen erinnert an einen Kohlstrunk, von dem die Blätter abgeschnitten wurden, was ihm wohl seinen Namen einbrachte. Die ersten Krautstrünke, die sich zu Beginn des 15. Jahrhunderts aus dem sogenannten Becher des Schaffhauser Typs entwickelten, hatten noch recht kleine Nuppen, die im weiteren Verlauf des 15. Jahrhunderts immer größer wurden. Der gekniffene Fußring wich um 1500 dem umgelegten Standring, woraus sich für das Lüneburger Stück gleichfalls eine Datierung in diese Zeit ergibt. Bei den Krautstrünken wurden die Nuppen in Vertikalreihen angebracht, bei den jüngeren Berkemeiern und Römern dagegen versetzt angeordnet.
 

Krautstrunk

Deutschland, um 1500
FO: Lüneburg, Glockenhof (Kloake 1)
H 10,6; Ø Fußring 5,1 cm; Ø Lippe 6,3 cm; Gd. 1,0 mm
Grünblaues Glas. Verwittert und stellenweise völlig korrodiert. Geklebt und montiert.
 

Krautstrunk

2fach gewickelter Fußfaden. Boden spitz eingestochen. Schlanker tonnenförmiger Gefäßkörper mit schalenförmiger, kaum verdickter Lippe. Wandungsdekor: im unteren Bereich wellenförmige gekerbte Fadenauflage, darüber zwei kleine Nuppen, zuoberst 2 diagonale spitze Einstiche („Stachelnuppen”) von außen nach innen.
 

Krautstrunk in typischer schlanker Ausführung, aber mit ungewöhnlicher Dekor-Vielfalt. Die sonst für diesen Bechertyp obligatorischen aufgelegten Nuppen spielen nur eine untergeordnete Rolle. Krautstrünke mit einer Kombination von Nuppen und Fadenauflagen kommen bisweilen vor, sind jedoch längst nicht so häufig wie der singuläre Nuppendekor. Krautstrünke mit Stachelnuppen treten in der Zeit um 1500 erstmals auf, die bislang bekannten Exemplare tragen diese Verzierungsform aber als ausschließlichen Dekor. Bei den hier angebrachten Stachelnuppen fällt auf, dass sie offen geblieben und im Gegensatz zu den bekannten Beispielen nicht durch aufgesetzte kleine Glasposten verschlossen worden sind.

Autor: Peter Steppuhn; in: Glaskultur in Niedersachsen, 2003, 64 f. (gekürzt).
 

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