Altniederländische Majolika

Margariten, Chrysanthemen und Käfer - Chinoiserie

FO: Große Bäckerstraße 27
Großer Fayenceteller mit blauer Pinselbemalung
Dm.: 32,5 cm
2. Hälfte 17. Jahrhundert

Der Teller zeigt als zentrales Motiv eine Waldszene mit einem großen Insekt, der Rand ist mit Blumenmotiven geschmückt. Auf dem Spiegel sind drei Abrisspunkte einer Stapelhilfe zu sehen. Während die Schauseite mit einer deckend weißen Zinnglasur versehen ist, befindet sich auf der Unterseite nur eine blaugraue Bleiglasur. Sowohl die Machart als auch die Verzierung verweisen auf eine Entstehung in den Niederlanden im späten 17. Jahrhundert. Dort wird diese Warenart als „Altniederländische Majolika” bezeichnet.
 

Altniederländische Majolika: Margariten, Chrysanthemen und Käfer

Die Motive muten für eine europäische Herstellung etwas exotisch an, und wirklich stehen das Motiv und die Ausführung im Zusammenhang mit dem ostasiatischen Porzellan.

Nachdem es niederländischen Kriegsschiffen in den Jahren nach 1600 gelungen war, spanische Handelsschiffe voll mit Porzellan zu erobern und diese Beute kurz darauf in Amsterdam öffentlich versteigert wurde, übernahmen und professionalisierten holländische Kaufleute den Porzellanhandel mit China. Schon bald wurde in China speziell für den europäischen Markt produziert. Dabei griff man auch auf die Darstellungen von Margeriten und Chrysanthemen zurück, diese wurden mit exotischen Urwaldszenen kombiniert. Angefeuert durch den Import von chinesischem Porzellan, das nur in begrenztem Maß zur Verfügung stand, entwickelte sich in den Niederlanden eine eigenständige Fayenceproduktion mit typisch europäischen Motiven.

Im späteren Verlauf des 17. Jahrhunderts kam es in China aber zu innenpolitischen Spannungen, wodurch die Porzellanherstellung fast völlig zum Erliegen kam. Inzwischen war in Europa bereits ein Markt entstanden, dem nun der Nachschub fehlte. Versuche mit japanischem Porzellan schlugen fehl, unter anderem auch, weil sich die japanischen Produzenten weigerten, auf die europäischen Kundenwünsche einzugehen. Hier sprangen nun die niederländischen Fayencemanufakturen in die Lücke, sie passten ihre Produktion der Motivwahl der chinesischen Produktion an.

So kommt es, dass sich auf der „Altniederländischen Majolika” eine europäische Nachahmung einer chinesischen Darstellung europäischer Blumen findet. Das Motiv hat von Europa seinen Weg nach China gefunden, wurde dort umgesetzt und dann in Europa wieder dem nun chinesischen Vorbild angepasst.

Autor: Marc Kühlborn; in: Denkmalpflege in Lüneburg 2002, 20-21.
 

Literatur:
Schandelmaier, Hela: Niedersächsische Fayencen. Die niedersächsischen Manufakturen in Braunschweig, Hannoversch Münden und Wrisbergholzen, (Hannover 1993).

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