Aufarbeitung und Auswertung der Ausgrabung

Portugiesische Fayence in situ

Ausgrabungen stellen nur einen Teil der Arbeit des Archäologen dar. Sehr zeitintensiv ist die anschließende Aufarbeitung der Grabungsdokumentation und die Sichtung und Auswertung der Funde und Befunde. Aus den manchmal vielen hundert, meist auf Papier vorliegenden Einzelzeichnungen, die auf der Grabung angefertigt wurden, wird am Computer ein Gesamtplan erstellt, der es erlaubt, die Stratigrafie und den zeitlichen Zusammenhang der Befunde zu analysieren.

Keramikscherben, gereinigt, sortiert.

Scherben eines Enghalskruges, Portugiesische Fayence, "in situ" in einer Kloake (oben) und gereinigt zum Kleben vorbereitet. Wegen seiner Besonderheit wurde dieser Fund ausnahmsweise in der Werkstatt des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege in Hannover restauriert - das Ergebnis kann sich sehen lassen.
 

Um die Funde auswerten zu können, reinigt und sortiert man sie zuerst. Einige Fundgruppen, z.B. Holz, Textilien und Leder, können nicht ohne weiteres getrocknet werden, sondern müssen einer langwierigen Konservierung unterzogen oder, wenn das nicht geht, sofort eingefroren werden. Proben für weiterführende naturwissenschaftliche Untersuchungen werden aufbereitet und an die zuständigen Institute verschickt.

Anpassen von Keramikscherben Ein Fayence-Teller wird geklebt.

Das Anpassen und Kleben von Scherben erfordert Geduld und Geschick. Der Kleber lässt sich bei Bedarf wieder lösen. Zur Stabilisierung nötige Ergänzungen werden heute i.d.R. so eingefügt, dass sie als solche erkennbar bleiben.
 

Keramik und Glas werden in immer genaueren Abstufungen sortiert, bis man die passenden Scherben hoffentlich wieder zu einem Gefäß zusammensetzen kann, das anschließend fotografiert und maßstabsgetreu gezeichnet wird.

Foto und Umzeichnung einer malhornverzierten Schüssel Blick in einen Arbeitsraum

Blick in einen Arbeitsraum mit Zeichentisch, im Vordergrund Siegburger Steinzeug. oben: Foto und maßstabsgerechte Zeichnung einer malhornverzierten Henkelschüssel mit springendem Hirsch, datiert 1630.
 

Alle Funde werden nach bestimmten Kriterien in eine Datenbank aufgenommen. Auf der Ausgrabung haben alle Funde eine Nummer erhalten, die sie eindeutig einem bestimmten Befund zuweist. Mit Hilfe von Vergleichsfunden aus der archäologischen Fachliteratur werden die Zeitstellung und Herkunft der Objekte ermittelt. Die Erkenntnisse über die Keramikscherbe 122-23 können nun als Grundlage für eine ungefähre zeitliche Bestimmung des Befundes 122, z.B. einer Pfostengrube, dienen - womit dann ggf. auch eine benachbarte, von Befund 122 geschnitte Grube, die selbst keine Funde enthielt, zeitlich eingegrenzt werden kann.

Die aufgenommenen Daten ermöglichen es jetzt, alle Informationen zu einem Gesamtbild des Ausgrabungsortes zu verknüpfen, womit die Grundlage für eine wissenschaftliche Veröffentlichung geschaffen ist.

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